DelmeReport April 2013

Teil der Champions League

Delmenhorster Familien sollen wieder Daten für die europaweite „I.Family-Studie“ liefern 

Delme Report, 21. April 2013

Das EU-Forschungsprojekt „I.Family“ startet am morgigen Montag, 22. April, mit 16.000 Studienteilnehmern in acht Ländern. Mit dabei sind auch 1.000 Familien aus Delmenhorst.

Kinder unter zehn Jahren, die regelmäßig mit der Familie essen, die in einem geordneten Zuhause leben, in dem sie sich wohlfühlen, haben ein um 50 Prozent reduziertes Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit. Dies ist ein wesentliches Ergebnis der „Idefics-Studie“, die von 2008 bis 2012 in Delmenhorst und Wilhelmshaven Kindergarten- und Grundschulkinder untersuchte. Auf dieser Basis untersucht das Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) mit der „I.Family Studie“ nun jene Familien mit Heranwachsenden bis 15 Jahren, die bereits im ersten Durchgang dabei waren.

„Hinter uns liegt ein Jahr der Vorbereitungen. Die spannende Phase beginnt nun am morgigen Montag, 22. April. In Delmenhorst kontaktieren wir die 1.000 Familien aus der ‚Idefics Studie’ in schriftlicher und telefonischer Form, teilweise besuchen wir sie auch Zuhause“, erklärt der internationale Koordinator des Projektes, Professor Wolfgang Ahrens von der Universität Bremen. Dieser persönliche Kontakt zu den Heranwachsenden und deren Eltern sei für das Gelingen der Studie unerlässlich. Denn anders als bei Idefics gehe es diesmal nicht um den Einfluss von Außen auf die Familien, sei es durch Kita oder Schule, sondern ausschließlich um die Familien selber. „Deshalb beziehen wir bewusst die Eltern und Geschwister mit ein. Im Idealfall machen alle Heranwachsenden im Alter zwischen zwei und fünfzehn Jahren und mindestens ein Elternteil mit“, sagt Ahrens. Die Menschen in Delmenhorst und Wilhelmshaven stehen dabei stellvertretend für Deutschland. „Damit spielen die Städte in der wissenschaftlichen Champions-League mit“, so Ahrens. Die fünfjährige Studie läuft außerdem in Italien, Schweden, Ungarn, Zypern, Estland, Spanien und Belgien.

Während der gesamten Studie stehe man mit den Teilnehmern in Kontakt, sei es bei den Untersuchungen in den neuen Räumen im Jute-Center als auch über ein mobiles Untersuchungszentrum, welches die Delmenhorster Schulen anfährt. „Denn für einige Tests sowie die Blutabnahme müssen die Teilnehmer nüchtern sein, so dass sie möglichst vormittags stattfinden sollen. Ebenfalls werden Größe und Gewicht der Probanden ermittelt. Natürlich ist die Teilnahme immer freiwillig“, erklärt Ahrens. Die Delbus unterstützt das Projekt, indem die Teilnehmer mit ihrer Terminbestätigung kostenlos zu den Tests fahren können. Gerade die Untersuchungen seien wichtig, da sie auf den Basiswerten von 2007 und den Folgewerten von 2009 aufbauen. „Ähnlich wie bei Idefics werden wir die Heranwachsenden mit Geräten ausstatten, die ihre Bewegungsmuster registrieren und auswerten. Und zwar über einen Zeitraum von sieben Tagen“, so Ahrens.

Abgerundet wir die rund einjährige Studienphase durch Fragebögen und Reaktionstests. Außerdem werden mit den Eltern Interviews geführt.

Vieles soll anders werden als bei Idefics: „Wir haben aus unseren Fehlern gelernt und beziehen die Familien noch mehr mit ein“, sagt der Studienkoordinator. So würden Informationsveranstaltungen angeboten und die Studienteilnehmer im achtwöchigen Rhythmus über Neuigkeiten informiert, beispielsweise über die Auswertungen ihrer Ernährungsprotokolle. „Auch geben wir Tipps, welche Nahrungsmittel sich wie auswirken. Somit haben auch die teilnehmenden Familien etwas Handfestes von der Studie“, ist sich Ahrens sicher.

FAKTEN ZUR I.FAMILY STUDIE

Aufbauend auf der „Idefics Studie“ ermöglicht „I.Family“ einen tieferen Einblick in die wichtigsten Einflüsse auf den Lebensstil europäischer Kinder in Bezug auf ihre Ernährung. Dazu betrachtet „I.Family“ die Kinder, die nun am Übergang in die Pubertät stehen, sowie ihre Familien. Im Focus steht der Vergleich von Familien, die ein gesundes Ernährungsverhalten angenommen haben mit denjenigen, die ihren bisherigen Lebensstil beibehalten haben. So trägt das Projekt zum Verständnis der biologischen, verhaltensbezogenen, sozialen und umweltbedingten Einflüsse auf das Ernährungsverhalten von Kindern in der Phase des Erwachsenwerdens bei. Die Europäische Kommission finanziert die groß angelegte Studie im Rahmen des siebten Forschungsrahmenprogramms mit insgesamt 9 Millionen Euro.

 

Text: Britta Suhren. Mit freundlicher Genehmigung des Delme Report.