DelmeReport Mai 2013

„Das Wir-Gefühl stärken“

Delmenhorst kann von der „I.Family“ im Bereich Gesundheit langfristig profitieren

Delme Report, 12. Mai 2013

Seit dem 22. April läuft in Delmenhorst das EU-Forschungsprojekt „I.Family“. Beim Nachfolger von „IDEFICS“ wollen alle Beteiligten noch mehr auf Kommunikation setzen.

„Ich stehe hemmungslos hinter dem Projekt, denn das ist hochkarätige Wissenschaft und ein Gewinn für Delmenhorst. Allerdings muss die Stadt diese Studie, bei der Delmenhorst neben Wilhelmshaven immerhin für ganz Deutschland steht, zu ihrer Sache machen“, sagt Dr. Johann Böhmann vom Verein „Gesundheit im Kindesalter“ (GiK). Wir sollten nicht nur Datenlieferanten sein“, fordert Böhmann. Das scheint man auch in der Verwaltung begriffen zu haben, denn die Stadt definiert ihre Rolle als Türöffner. „Die Studienbeteiligten vom Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS), der Verein GiK und Verwaltungsmitarbeiter stehen in regen Kontakt“, teilt Maike Stürmer-Raudszus aus dem Rathaus mit.

Auch das BIPS wolle mit allen Beteiligten im Gespräch bleiben. „Wir fühlen uns in Delmenhorst willkommen. Die Teilnehmer machen toll mit. 40 von ihnen haben sich bereits untersuchen lassen. Bis Ende Juni sind wir noch in Delmenhorst, danach führen wir Untersuchungen in Wilhelmshaven durch. Während der einjährigen Untersuchungsphase pendeln wir alle zwei Monate zwischen den beiden Städten“, erklärt Dr. Antje Hebestreit vom BIPS.

Dabei sei man vor allem mit dem Mobilen Untersuchungszentrum (MUZ) im Stadtgebiet unterwegs. „Alle Ergebnisse tragen wir in den Untersuchungsräumen zusammen, die wir beim Jute-Center gemietet haben. Dort führen wir auch die Tests mit den Eltern und Geschwistern der Studienkinder durch. Besonders wichtig sind die Informationen über das Familienleben, sei es über den Medienkonsum, das Verhalten während der Mahlzeiten oder das Zusammenleben insgesamt“, betont Hebestreit. Mit „I.Family“ wolle man politischen Entscheidungsträgern, Gesundheitsexperten und Familien Wege aufzeigen, wie ein aktiverer und gesünderer Lebensstil verwirklicht werden könne, um die Lebensfreude und Lebensqualität insbesondere von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Auf diese Weise könne die Gesundheit der Familien auch langfristig gefördert werden. „Und in Delmenhorst kann diese Form der Gesundheitsförderung das Wir-Gefühl stärken“, so Böhmann.

DER KOMMENTAR: Mit Pfunden wuchern

Von Britta Suhren

Im Rahmen von „I.Family“ dienen Delmenhorster Familien freiwillig als Datenlieferanten für eine Studie die in immerhin acht europäischen Ländern erhoben wird. So bekommen Wissenschaftler gute Einblicke in die Strukturen heutiger Familien – über Einkommens- und Bildungsgrenzen hinweg. Sie teilen mit, wie sie leben, sich bewegen, sich ernähren und ihren Alltag gestalten. Es wird deutlich werden, wie Kinder und Jugendliche Lebensqualität definieren. Anhand der Ergebnisse wird man zeigen können, dass Delmenhorst mehr zu bieten hat als billigen Wohnraum.

Das war in der Vergangenheit leider zu selten der Fall. Von vielen Projekten im Rahmen des „I.Family“-Vorgängers „IDEFICS“ ist wenig Nachhaltiges geblieben. Und daran, dass Delmenhorst „Safe Comunity“ ist, wird leider auch niemand erinnert. Es wird Zeit, dass die Stadt mit ihren Pfunden wuchert.

 

Text: Britta Suhren. Mit freundlicher Genehmigung des Delme Report.