Frag andere

Frag andere

Wie fühlt sich I.Family an? Teilnehmer berichten über ihre Erfahrungen und Wünsche.

Zeynel Bayram (links) mit seiner Mutter und seinem Bruder bei der Untersuchung:

Die Untersuchungen haben mir Spaß gemacht, die Handkraftmessung fand ich am spannendsten. Für mich ist es wichtig, dass ich über meine Gesundheit Bescheid weiß. 

Familie Holzner im Untersuchungszentrum:

Wir finden es wichtig, als Familie an I.Family teilzunehmen. Jeannine (ganz rechts) war schon bei IDEFICS dabei. Die Gesundheit der Familie ist uns wichtig und hier können wir mehr darüber erfahren - zum Beispiel welche Blutgruppe wir haben. Zudem unterstützen wir die Forschung. Wir hoffen, dass I.Family auf die Politik einwirkt, damit weniger Werbung für ungesunde Lebensmittel gemacht werden darf und damit es in der Schule mehr Sportunterricht für die Kinder gibt.

 

Vom IDEFICS-Kind 2007 zur Schülerpraktikantin 2019

Im März 2019 herrschte im BIPS über den Besuch einer Schülerpraktikantin große Freude – denn sie war sprichwörtlich dem ganzen Institut bekannt, ohne dass man von ihr etwas Konkretes wusste. Wie kann das sein?

Marie aus Delmenhorst ist ein IDEFICS-Kind. Die IDEFICS-Studie, die das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS  und die Universität Bremen koordinierten, fand von 2007 bis 2010 in 8 europäischen Ländern statt. Über 16.000 Kinder zwischen zwei und zehn Jahren wurden an zwei Erhebungszeitpunkten in der IDEFICS-Studie, die auf diesem Gebiet zu einer der größten Studien in Europa gehört, untersucht.

Zwischen den zwei Erhebungszeitpunkten erfolgte in der Interventionsregion Delmenhorst ein Präventionsprogramm. Dieses wurde in Kindergärten und Schulen durchgeführt. Familien erhielten hierzu Infomaterial und wurden motiviert, vorbeugende Maßnahmen zu Hause mit den Kindern umzusetzen. Auch kommunale Akteurinnen und Akteure aus der Politik, der Kindermedizin und Sporteinrichtungen waren beteiligt. Eine der wesentlichen Fragen war hierbei, wie das räumliche Umfeld gestaltet sein muss, damit Kinder sich gerne und viel bewegen.

Die vorbeugenden Maßnahmen gegen Übergewicht konzentrierten sich auf die Bereiche Ernährung, körperliche Aktivität und Stress. So ging es bei der Ernährung um einen höheren täglichen Wasser, -Obst- und Gemüsekonsum, bei der körperlichen Aktivität um mehr tägliche Bewegungs- und weniger Fernsehzeit sowie beim Stress um mehr Familienzeit und ausreichend Schlaf.

Bei Kindern und Jugendlichen wird durch vorbeugende Maßnahmen ein großes Potenzial gesehen, frühzeitig Übergewicht und somit gesundheitlichen Risiken wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes vorzubeugen. So nahm die IDEFICS-Studie nicht nur die Ursachen von ernährungs- und lebensstilbedingten Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in den Blick, sondern erforschte auch, wie diese durch ein umfassendes Präventionsprogramm langfristig verhindert werden können. 2013/2014 wurde diese Studie um eine Folgestudie – I.Family – erweitert, so dass die Entwicklung der Kinder über einen längeren Zeitraum verfolgt werden konnte.

Marie war eine von vielen Kindergartenkindern, die im Jahr 2007 mit ihren Eltern an der IDEFICS-Studie teilnahm. Im BIPS stand vor uns eine fast erwachsene Jugendliche mit vielerlei Interessen - und der Bereitschaft, unsere Fragen zu beantworten.

 

Marie, warum wolltest Du ein Schülerpraktikum im BIPS machen?

Ich wollte mein Schülerpraktikum im BIPS machen, weil ich mich für die Naturwissenschaften – insbesondere auch Gesundheit – interessiere. Für meine Praktikumssuche habe ich also im Internet nach Forschungseinrichtungen in der Nähe gesucht, wobei unter Anderem das BIPS vorgeschlagen wurde. Da ich das Unternehmen außerdem bereits von den IDEFICS und I.Family-Studien kannte, an denen ich selbst immer mit viel Freude teilgenommen habe, entschied ich, mich beim BIPS um ein Schulpraktikum zu bewerben.

Was haben Deine Eltern dazu gesagt, dass Du ins BIPS gehst?

Meine Eltern fanden die Idee sehr gut. Vor allem meine Mutter, die die Elternfragebögen ausgefüllt hat, mit mir zu den Untersuchungen gegangen ist etc., war überzeugt davon, dass mir das Praktikum hier sicher gut gefallen wird und dass die Arbeit sehr interessant ist.

An welche Untersuchungen kannst Du Dich erinnern?

Es wurde gefragt, was ich am Vortag gegessen habe und ich musste meine Füße in so ein Gerät stellen (Messung der Knochensteifigkeit mittels Ultraschall). Mir wurde Blut abgenommen und ich gab eine Speichel- und Urinprobe ab. Ebenso wurden Größe, Gewicht, Bauchumfang, Körperfettanteil und Muskelmasse, die Handkraft sowie der Blutdruck gemessen. Ich kann mich auch an ein PC-Programm namens Sacana erinnern, wo Fragen zur Ernährung gestellt wurden und ich habe über mehrere Tage einen Bewegungsmesser getragen und dazu ein Tagebuch ausgefüllt. Wir haben einen Sporttest gemacht, da erinnere ich mich noch an den Gleichgewichtstest. An einen Fragebogen erinnere ich mich auch, da wurden Fragen zu meiner Entwicklung und meinem Schlafverhalten gestellt.

Was hast Du hier im BIPS in den zwei Wochen kennengelernt/erfahren?

Während meiner Zeit hier habe ich schon sehr viel gesehen und kennengelernt. Ich war in vielen unterschiedlichen Abteilungen und habe viele Einblicke in die verschiedenen Arbeitsweisen in der Wissenschaft erhalten. Während meines bisherigen Aufenthalts war ich im Labor, in der Fachgruppe IT, Datenmanagement und medizinische Dokumentation, in der Fachgruppe Feldarbeit, in der Statistik, in der NAKO, in der EBPH und in der Dateneingabe.

Zur Arbeit an sich habe ich erfahren, dass besonders der Umgang mit Daten eine sehr große Rolle spielt: Daten werden gesammelt, anonymisiert, geschützt, zusammengefasst, verarbeitet usw.

Außerdem ist mir bewusst geworden, wie wichtig die Technik zum Verarbeiten von Daten ist. Damit beziehe ich mich vor allem darauf, dass sehr viel programmiert werden muss, um etwa Angaben in Tabellen geschickt zusammenzufassen.

Außerdem erhielt ich Einblicke, wie die Arbeit der Wissenschaftler aussieht, welche Arten es gibt, um zu den Forschungsergebnissen zu gelangen, wie eine Studie oder ein Projekt abläuft (Antrag stellen, Ethikkommission, viel Vorarbeit, Datensammlung, sie so „zusammenstellen“, dass sie ausgewertet werden können), dass es sehr wichtig ist, die Ergebnisse zu publizieren, dass es ein relativ freier Job ist und Forschungsfragen selbst überlegt werden, dass es viele große Datenbanken gibt und wie das Digitalisieren der gesammelten Daten abläuft.

Welche von den Ergebnissen der IDEFICS/I.Family-Studie wären für Dich interessant?

Ich denke, dass es zum Beispiel sehr interessant wäre, die Ergebnisse über die eigene Entwicklung – wie etwa über den Verlauf von Größe und Gewicht – zu erfahren und welche Auswirkungen das auf den zukünftigen Gesundheitszustand haben kann.

Ich fände auch Untersuchungen über die Herkunft spannend, auch wenn ich gar nicht weiß, ob es solche überhaupt gibt. Ich habe nämlich einmal davon gehört, dass man über Bluttests herausfinden kann, wo weiter entfernte Vorfahren gelebt haben.

Untersuchungen, die in der NAKO durchgeführt werden, wie das EKG, Ultraschall oder die Untersuchung, für die ein Foto vom hinteren Teil des Augapfels gemacht wird, wären ebenfalls interessant.

Was könnte uns helfen, wenn wir noch einmal die IDEFICS/I.Family-TeilnehmerInnen ansprechen und um erneute Teilnahme bitten würden?

Die Jugendlichen könnten über ein in der Schule vorgespieltes Video von I.Family, in dem die Wissenschaftler z.B. über die verschiedensten Dinge berichten, animiert werden, an der neuen Befragung teilzunehmen. Man sollten den Aufwand für die Jugendlichen möglichst gering halten und (wenn möglich) wieder an die Schulen gehen, um Untersuchungen durchzuführen.

Was wäre Deiner Meinung nach für die meisten Jugendlichen ein Anreiz, um wieder teilzunehmen? Geld?

Es ist schwierig, hierbei zu verallgemeinern. Ich schätze, dass von 20 Jugendlichen fünf oder weniger ohne einen Anreiz wie Geld teilnehmen würden und dass etwa fünf oder weniger für einen Anreiz von 10€ kommen würden.

Um ehrlich zu sein, könnte ich mir auch vorstellen, dass noch ein paar mehr teilnehmen würden, wenn manche Untersuchungen während der Schulzeit stattfänden…

Ein besserer Anreiz fällt mir nicht ein.

Was möchtest Du gern einmal studieren?

Leider bin ich mir diesbezüglich noch sehr unsicher und selbst wenn ich mir jetzt schon ganz sicher wäre, könnte es sein, dass ich mich in zwei Jahren doch für etwas ganz anderes bewerbe.

Ich bin auf jeden Fall eher der naturwissenschaftliche Typ. Ich interessiere mich nicht so sehr für Wirtschaft, Politik und eigentlich auch nicht für Technik.

Nachgedacht habe ich schon über Studiengänge in den Bereichen (Tier- oder Human-) Medizin (,wenn der NC reicht…), Biologie, Geowissenschaften, Astronomie und weitere.